wirklich gute vorsätze

Auch ich gehöre zu den Optimisten, die mit Zielen ins neue Jahr starten. Warum auch nicht? Ich habe ein gutes Gefühl, wenn ich Vorhaben visualisiere, auf die ich mich schon jetzt freuen kann, weil sie das Optimum aus meinem Dasein rausholen und mich somit glücklicher machen.  

 

Dennoch wird es auch in 2018 wieder Tage geben, in denen mir nicht zu leugnende Tatsachen schmerzhaft aufzeigen werden, dass ich auf ganzer Linie  versagt habe. 

Die obligatorisch gefühlten fünf Kilo zu viel, die ewig unerreichte unter zwei Stunden-Marke für einen Halbmarathon, die überschrittene Obergrenze für Shoppingerrungenschaften, die unaussortierten Habseligkeiten in Schubladen und Schränken ... Viele alltägliche Straftaten, die gegen meinen selbsttauferlegten Ehrenkodex oder anerzogene Werte verstoßen, werden umgehend mit einem schlechten Gewissen geahndet, weil mir ein fieses, kleines Teufelchen permanent einredet, wie charakterschwach und armselig ich doch bin.

 

Genau darin scheint mir die Krux verdammt guter Vorsätze zu liegen: Am Ende fühle ich mich gleich doppelt schlecht, jedenfalls schlechter als zu dem Zeitpunkt, an dem das Jahr noch ohne Schuld, aber eben auch ohne To-do-Liste war, die doch eigentlich dafür gedacht war, alles besser zu machen. 

 

Nach alljährlich wiederkehrender hammereinschlagmäßiger Erfahrung ist in meinem Hirn endlich die Erkenntnis angekommen, die mein Herz schon lange weiß: Jede noch so vermeintlich schlechte Angewohnheit wird seine Berechtigung haben und so lange den Schweinehund dominieren, bis die Ursache dafür abgestellt ist. Wenn mir nach Schokolade ist, werde ich sie aus irgendeinem guten Grund brauchen. Wenn mir danach ist, zu chillen, sollte ich genau das tun. Und wenn meine intrinsische Motivation mich zur Bewegung an der frischen Luft bewegt, auch gut! 

 

Wie so oft liegt die Wahrheit wohl in der goldenen Mitte: Ja, ich gehe auch im neuen Jahr shoppen und gerne auch mal einen Pullover, der mein anvisiertes Budget überschreitet, sollte er das Potenzial haben, ein langlebiges Lieblingsstück zu werden. Dafür streiche ich die massenhaften Pseudoschnäppchen und das schlechte Gewissen gleich mit. Und am Abend, wenn ich ein altes Kleidungsstück für das neue ausgemistet habe, gönne ich mir ein, zwei Stückchen Schoki, begebe mich auf die Couch und erwäge mit dem Engelchen auf der anderen Seite meiner Schulter die nächste wirklich gute Entscheidung, die das Teufelchen endlich schweigen lässt.

 

Mein wirklich guter Vorsatz fürs neue Jahr lautet also: mehr auf mein Herz zu hören - es weiß garantiert, was mich sowohl kurzfristig als auch langfristig zufriedener macht.

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Kommentare: 1
  • #1

    credo (Montag, 01 Januar 2018 14:09)

    oh man,
    so viel text, fehlerfrei, am 1. tag des jahres - respekt - ich freu mich drauf :-)
    credo