mehr gute nachrichten

Das Jahr ist noch so jung und trotzdem habe ich das Gefühl, schon jetzt brachte es nichts als Unfälle, Übergriffe und Tote. Es ist ein ewiges Dilemma. Schließlich habe ich nicht ohne Grund Politik studiert. Mich interessiert, was in der Welt passiert und ich finde es wichtig, informiert zu sein.  

 

Am Ende des Tages aber habe ich mehr negative Nachrichten konsumiert, als ich verkraften kann.  Was also tun?

Klar, es ist schon ein Unterschied, ob ich die Süddeutsche abonniere, Hintergrundberichte lese oder ständig im Netz reißerische Schlagzeilen und Fotos aufsauge. Und doch fühle ich mich nach jedem Blättern, Scrollen oder Zappen wie eine Windmühlenkämpferin kurz vor der Kapitulation - ganz unabhängig davon, wie ich von Busunglücken oder Naturkatastrophen erfahre. 

 

Ich ertrage das nicht mehr - es ist zu viel, zu laut, zu aufdringlich und womöglich bloß die halbe Wahrheit. Ja, es gibt sehr viele schlimme Dinge, die nicht ignoriert werden dürfen und unsere Anteilnahme oder unseren Protest brauchen. Man könnte sogar meinen, jedes Übel, das denkbar ist, passiert auch. Dennoch habe ich eine Wahl, meinen Fokus auf die unterrepräsentierten guten Nachrichten zu lenken oder wenigstens zu abstrahieren. Wenn täglich in Deutschland knapp zehn Menschen durch Verkehrsunfälle sterben, sind das zehn zu viel, bedeutet aber auch, dass nahezu acht Millionen andere nicht im Straßenverkehr ums Leben kommen.

 

Auch muss ich nicht wissen, welche Opfer eines Anschlages wie genau zu Tode kamen. Denn solche Details helfen weder mir, noch der Welt, das Grauen begreiflicher zu machen. Vielmehr katapultieren sie mich in eine Schockstarre, in der die Angst vor einer düsteren Zukunft jeden Tag übermächtiger zu werden scheint. 

 

Was macht das mit mir? Wenn ich mich alltäglich zum Fatalismus verführen lasse, werde ich bestimmt kein glücklicherer oder gar besserer Mensch. Lieber versuche ich den Nachrichtenwahnsinn einzudämmen und öfter mal die rosarote Brille aufzusetzen: Ab jetzt surfe ich nur ein Mal am Tag bei Spiegel online vorbei und lese in der Zeitung nur die Artikel zu Überschriften, die mich tatsächlich interessieren oder wirklich wissenswert sind. Und falls die Welt doch untergeht, werde ich es schon erfahren - früher oder später. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Hedda Lenz (Montag, 08 Januar 2018 18:27)

    Liebe Herzweise,

    irgendwann habe ich mal von einem Blatt gelesen, dass nur gute Nachrichten veröffentlicht hat. Es musste eingestellt werden, weil es keiner mehr lesen wollte...

    Seltsam, wieviele Menschen sich anscheinend besser fühlen, wenn sie das Unglück anderer mitbekommen.

    Mir geht es auch so, dass ich bestimmte Bilder nicht mehr ertrage und manche sprechen davon, dass wir dadurch immer wieder - quasi häppchenweise - traumatisiert werden können. Auch, wenn ich gerne informiert sein möchte, ist doch die Frage, wie das geschehen kann, ohne mir Schreckensbilder in die Seele einzuspielen... aber wie gesagt- es geht anscheinend auch hier um Angebot und Nachfrage!

  • #2

    Stefanie Marsal (Samstag, 13 Januar 2018 14:57)

    Liebe Heidi,
    frei nach der Tatsache "Energie folgt der Aufmerksamkeit" haben wir die Wahl, ob wir uns der positiven oder der negativen Energie zuwenden. Und auch wenn ich durch Information weiß, was in der Welt los ist, so füttern Reportagen über Krieg, Unglück, Unfälle, Tod, Tierquälerei, Misshandlungen oder auch schlechter Klatsch und Tratsch etc. immer die negative Seite meiner Seele. Es stellt sich mir die Frage: Muss ich es denn wirklich wissen? Diese Dinge werden immer auf dieser Welt präsent sein, weil wir in der Polarität leben. Gut und Böse bestimmen unser Leben. Doch wir haben die Wahl, welche Seite wir füttern. Ich liebe meine positive Seite und versuche, auch diese nur noch zu füttern - und wenn's sein muss, dann habe ich eben den ganzen Tag meine rosarote Brille auf. Nur auf diese Art und Weise können auch wir etwas zum Weltfrieden beitragen - nämlich wenn wir mit dem Frieden in uns und unserem Umfeld beginnen. Das Negative akzeptiere ich. Ich weiß, dass es existiert - mehr aber auch nicht!
    Herzliche positiv geladene Neujahrsgrüße,
    Stefanie